Rheinland-Pfalz/Westerwald: Tagtäglich rollen sie über Deutschlands Straßen: Kleintransporter osteuropäischer Tierhändler, die unter unwürdigen Zuständen Hunde, Katzen und Vögel für Märkte und Zoogeschäfte in Westeuropa liefern.
Trauriger Fund bei der Kontrolle eines Kleintransporters auf der A 3: zwei Westhighland-Terrier in einer Transportbox.
Bei einer Kontrolle im Westerwaldkreis auf der A 3 ist das Tierelend einmal mehr deutlich geworden. Ein Welpe war bereits verdurstet. Für Tierschützer ist das einmal mehr ein Beleg dafür, dass Tierfreunde sehr darauf achten sollten, wo sie ein Tier kaufen.
Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben den illegalen Transport in Heiligenroth abgefangen - an Bord: 22 Hundewelpen, unter anderem West Highland Terrier, Golden Retriever, Französische Bulldogge und Pinscher, 50 Wellensittiche, 20 Nymphensittiche, 6 Japanische Mövchen, 300 weiße Mäuse - und der tschechische Fahrer, der leidlich Englisch sprach. Den Tieren stand zum Teil kein Wasser zur Verfügung, ein King-Charles-Spaniel war verendet.
Nachdem Hunde, Katzen, Vögel und Mäuse vorübergehend im Montabaurer Tierheim untergebracht worden waren, wurde ein Großteil der Tiere am Freitagnachmittag wieder abgeholt. Der Tiertransporteur aus der tschechischen Republik konnte für diesen Teil der Ladung gültige Papiere vorlegen. Drei Hunde und Dutzende Sittiche, für die er die erforderlichen Nachweise hatte, wollte der Mann noch in der Nacht im Tierheim abholen und nach Tschechien zurückbringen - Tierheim und Behörden sahen keine Handhabe dagegen.
Der Tierhändler mit Ziel Belgien war auf der A 3 wegen eines Motorschadens an seinem VW-Sprinter in einer Autowerkstatt gestrandet. Als das Fahrzeug am Donnerstag nicht flottgemacht werden konnte, informierte das Autohaus die Kreisverwaltung und das Tierheim Montabaur.
Im Vorjahr war bereits ein slowakischer Händler bei einer Kontrolle der Autobahnpolizei auf der A 3 wegen fehlender Dokumente aufgefallen. Die Kreisverwaltung hatte seinerzeit 30 Hunde und drei Katzen beschlagnahmt.
Jetzt hatte der Fahrer zwar Dokumente , aber die waren lückenhaft oder zum Teil auch möglicherweise falsch. Für die Hundewelpen konnte der Tscheche das vorgeschriebene EU-Zertifikat vorgelegen, jedoch fehlten darauf zwei Möpse und ein Pinscher. Impfpässe waren für alle Hunde vorhanden. Bei einigen Welpen sind nach Einschätzung der Veterinäre Zweifel angebracht, ob die hier eingetragenen Geburtsdaten stimmen, da sie augenscheinlich das vorgeschriebene Mindestalter von acht Wochen noch nicht ganz erreicht haben. Ein Attest, wonach die Sittiche aus einem Psittakose-freien Bestand stammen, fehlte ebenfalls.
Helmut Stadtfeld, Veterinär der Kreisverwaltung, rät angesichts dieses Falles generell vom Erwerb von Hunden bei Händlern ab. Viele Händler bedienen sich laut Stadtfeld aus dubiosen Quellen oder aus Massenzuchten in osteuropäischen Ländern. Zudem könnte es Probleme mit dem Wesen des Tieres geben: Der Welpe muss sich in der wichtigen Sozialisierungsphase zweimal an eine neue Umgebung gewöhnen, erst an den Händlerstall dann an seine neue Familie. Bei Vögeln, Fischen oder Nagern spreche aber wenig dagegen, sie in einer gut geführten Zoohandlung zu kaufen.
Quelle: RZ